Was ist ein LLM - und wie wird es im juristischen Kontext eingesetzt
- Dietmar Jahnel

- 24. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Wenn vom KI-Einsatz im Zusammenhang mit juristischer Arbeit gesprochen wird, ist damit zumeist ein LLM gemeint. Daneben gibt es aber noch zahlreiche andere Einsatzmöglichkeiten von KI, wie etwa die Generierung von Bildern, Spracherkennung oder automatische Übersetzung.
Ein Large Language Model (LLM) ist ein KI-System, das darauf trainiert wurde, menschliche Sprache zu verstehen und eigenständig Texte zu formulieren. Bekannte Beispiele sind etwa ChatGPT, Gemini, Claude oder ähnliche Systeme.
Im Kern handelt es sich um ein statistisches Modell: Ein LLM berechnet auf Basis sehr großer Textmengen, welches Wort mit welcher Wahrscheinlichkeit auf ein anderes folgt. Auf diese Weise entstehen vollständige Sätze, Absätze oder auch komplexe Argumentationen. Damit ist ein LLM im Grunde ein Sprachgenerator auf Wahrscheinlichkeitsbasis.
Wie funktioniert ein LLM – einfach erklärt
Ein LLM wird mit enormen Textsammlungen trainiert (z. B. Bücher, Fachtexte, Websites). Dabei „lernt“ es:
sprachliche Strukturen
typische Formulierungen
Zusammenhänge zwischen Begriffen
Das Modell versteht Texte nicht im menschlichen Sinn, sondern erkennt Muster und Wahrscheinlichkeiten. Wenn ein Nutzer eine Frage stellt, erzeugt das LLM die Antwort Token für Token (also Wort für Wort bzw. Wortteil für Wortteil), basierend auf diesen gelernten Mustern.
Was bedeutet das für die Rechtsanwendung?
Für juristische Zwecke ist entscheidend:
Ein LLM greift nicht wie eine Datenbank gezielt auf Normen oder Entscheidungen zu
Es „weiß“ nicht, was die akutelle Rechtslage ist
Es kann keine rechtliche Prüfung im eigentlichen Sinn durchführen
Stattdessen formuliert es Antworten auf Basis von Wahrscheinlichkeiten – auch dann, wenn die zugrunde liegenden Inhalte unvollständig oder nicht korrekt sind.
Deshalb gilt: Ein LLM ist kein Ersatz für eine juristische Recherche, sondern ein Werkzeug zur Unterstützung, insbesondere in der Phase der Ersteinschätzung einer Rechtsfrage.
Rolle von LLMs in der Rechtsrecherche (z. B. RIDA)
Der eigentliche Mehrwert des Einsatzes eines LLM zur Beantwortung einer Rechtsfrage entsteht durch die Kombination mit relevanten Daten, die vor dem Einsatz des LLM aus der jeweils verfügbaren Datenbasis ermittelt werden. Dies sind vor allem:
Gesetzestexte
Gerichtsentscheidungen und
Fachliteratur.
In solchen Systemen (Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG - näher erklärt in einem weiteren Blog-Beitrag) erhält das LLM gezielt relevante Dokumente als Grundlage für die Generierung des Antworttextes und darf nicht allein aus dem eigenen "Wissen" antworten, was zu "Halluzinationen" (siehe Blog-Beitrag) führen kann.
Das LLM übernimmt dabei vor allem:
die Zusammenfassung der Inhalte von Treffern aus Judikatur und Literatur
die Strukturierung komplexer Inhalte
eine sprachlich klare Darstellung der daraus gezogenen Schlussfolgerungen.
Fazit
Ein LLM ist kein „digitaler Jurist“, sondern ein leistungsfähiger Sprachgenerator. Seine Stärke liegt nicht im eigenständigen Finden und Auslegen von Recht, sondern in der Aufbereitung und Darstellung von Informationen.
Richtig eingesetzt – insbesondere in Kombination mit qualitätsgesicherten juristischen Daten – kann ein LLM die Ersteinschätzung von Rechtsfragen erheblich effizienter und zugänglicher machen.

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